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Kognitive Resilienz: Sicherheit beginnt in den Köpfen

5. Okt.
3 Min. Lesezeit


Im International Club Berlin trafen sehr unterschiedliche europäische Erfahrungen von Sicherheit aufeinander. Eingeladen hatte die Carl-Schirren-Gesellschaft gemeinsam mit ihren Partnern, darunter die Deutsch-Baltische Zukunftsstiftung. Begrüßt wurden die Gäste unter anderem von Thomas von Lüpke, dem Vorsitzenden der Carl-Schirren-Gesellschaft, Staatssekretär Christoph de Vries, MdB aus dem Bundesinnenministerium, und Dr. Holger Endrös vom International Club Berlin; der Niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies wandte sich per Videobotschaft an die Teilnehmenden.


Der Anlass des Abends war ernst. Unter dem Titel „Kognitive Resilienz“ ging es um die Sicherheitslage, die sich nicht mehr allein mit militärischen Kategorien beschreiben lässt. Desinformation, digitale Einflussnahme, gesellschaftliche Polarisierung und Künstliche Intelligenz berühren zunehmend die Frage, wie Menschen Wirklichkeit wahrnehmen, wem sie vertrauen und wie sie Entscheidungen treffen. Es wurde sehr schnell deutlich: Resilienz beginnt beim einzelnen Menschen, reicht aber bis in Verwaltungen, Infrastruktur, politische Institutionen und die gesamte Gesellschaft.


Wie unterschiedlich nah diese Fragen für die Anwesenden waren, zog sich durch den gesamten Abend. Artis Pabriks, früherer Außen- und Verteidigungsminister Lettlands, beschrieb, wie sein Land seit Jahrzehnten mit wiederkehrenden Mustern von Desinformation und Einflussnahme konfrontiert ist. Für ihn gehört gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit ebenso zur Stärke eines Staates wie seine wirtschaftliche und militärische Leistungsfähigkeit. Seine Beispiele aus Lettland machten deutlich, dass Vorbereitung sehr konkret wird: Kommunen müssen wissen, wie sie in Krisen weiterarbeiten, öffentliche Dienstleistungen müssen funktionieren und gesellschaftliche Strukturen müssen auch unter Druck handlungsfähig bleiben.


Dr. Egils Levits, ehemaliger Präsident Lettlands, griff diesen Gedanken mit Blick auf Deutschland auf. Er sprach von einer Lücke zwischen der tatsächlichen sicherheitspolitischen Lage und ihrer Wahrnehmung in Teilen der Gesellschaft. Moderne Konflikte verlaufen eben nicht mehr entlang einer klar sichtbaren Front. Gleichzeitig betonte er, dass Deutschland seit 2022 viel gelernt habe. Investitionen in Resilienz und Verteidigungsfähigkeit seien aus dieser Perspektive gerade Investitionen in die Bewahrung von Frieden.


Daneben standen die Stimmen von Oksana Drozdovska und Mariia Lesiv, beide aus der Ukraine. Durch sie bekam der Begriff Resilienz eine andere Nähe. Mariia beschrieb sie nicht als Zustand, sondern als etwas, das täglich eingeübt werden müsse. Sicherheit sei für Menschen in der Ukraine längst keine selbstverständliche Hintergrundbedingung mehr. Gleichzeitig sprach sie über einen gesellschaftlichen Zusammenhalt, der aus einem gemeinsamen Ziel entsteht: in einem freien Land leben zu können. Bildung und Austausch seien deshalb besonders wichtig – gerade dort, wo Bedrohungen noch weit entfernt erscheinen.


Während Mariia mit in Berlin dabei sein konnte war Oksana direkt aus der Ukraine zugeschaltet. Diese Standleitung veränderte die Atmosphäre des Abends. Zwischen Podium, Publikum und Bildschirm entstand eine unmittelbare Verbindung, die für Authentizität sorgte. Fragen mussten nicht über Berichte, Nachrichten oder Analysen vermittelt werden; sie konnten direkt gestellt und beantwortet werden. Auch im Anschluss bestand die Möglichkeit, mit den jungen Damen aus oder in der Ukraine persönlich ins Gespräch zu kommen. Das Angebot wurde rege genutzt, noch lange nachdem Professor Volker Wittpahl von Uni Klaipeda die Paneldiskussion zwischen den vier Sprechern abgeschlossen hatte.


Die direkten Worte der Panelisten machten die Schwere des Themas auf eine sehr unaufdringliche Weise spürbar. So legte die Veranstaltung neben Notwendigkeiten auch offen, wo wir stehen und wo zügig uns hinbewegen müssen. Gemeinsam!


Insgesamt war der Abend vor, während und nach den Beiträgen anregend. Es wurde diskutiert, nachgefragt und auch gelacht. Und dennoch blieb im Hintergrund das Bewusstsein, dass Menschen im selben Gespräch über Dinge sprachen, deren Verhältnis dazu sehr unterschiedlich war: Für die einen waren es Fragen zukünftiger Vorbereitung, für andere Erfahrungen des eigenen Alltags.


Als die Diskussion schließlich auf Künstliche Intelligenz, Desinformation und „Prebunking“ kam, liefen diese Perspektiven wieder zusammen. Es geht nicht nur darum, falsche Informationen nachträglich zu korrigieren, sondern Menschen vorher in die Lage zu versetzen, Manipulationsmuster selbst zu erkennen. Vielleicht beschreibt genau das auch den Wert dieses Abends: Resilienz wurde nicht nur als politisches Buzzword gehandelt. Sie wurde durch die Begegnung zwischen Menschen aus Deutschland, Lettland und der Ukraine für einige Stunden nachvollziehbar.



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